Zwei Worte
zum Kommunionempfang

Weihbischof Dr. Athanasius Schneider

Pater Bernward Deneke FSSP


Weihbischof Dr. Athanasius Schneider, geb. 1961 in Kirgistan in einer deportierten deutschstämmigen Familie; 1973 Auswanderung nach Deutschland; 1990 Priesterweihe;
1997 Promotion; ab 1999 Professor am Priesterseminar in Karaganda (Kasachstan);
seit 2006 Titularbischof von Celerina und Weihbischof in Karaganda;
seit 2011 Weihbischof in der Erzdiözese „Maria Santissima" in Astana (Kasachstan),
Vorsitzender der Liturgischen Kommission und Generalsekretär
der katholischen Bischofskonferenz von Kasachstan.

In einem Presse-Interview zu seinem neuen Buch "Corpus Christi"
(Dominus-Verlag Augsburg) hat Weihbischof Dr. Athanasius Schneider
seine Überlegungen über die heilige Kommunion zusammengefaßt.
Schon 2008 publizierte Weihbischof Schneider in deutscher Sprache
"Dominus est: Es ist der Herr - Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien
über die heilige Kommunion".


"Es ist der Herr!"

Msgr. Athanasius Schneider:
"Meine Leitgedanken in beiden Büchern sind diese: Die Aufmerksamkeit zu lenken auf den objektiv gesehen wirk-lich gravierenden und beklagenswerten Zustand, in dem sich der Eucharistische Herr im Augenblick der Kommu-nionausteilung in zahlreichen Kirchen befindet, beinahe auf der ganzen Welt. Dieser Zustand ist wesentlich durch den modernen Brauch der sogenannten Handkommuni-on bedingt. Als Folge davon gehen zahlreiche Partikel der geweihten Hostie verloren, fallen zu Boden und werden folglich von den Füßen der Menschen zertreten. Ferner erleichtert diese Form des Kommunionempfangs enorm den Hostiendiebstahl, der weltweit bewiesenermaßen immer mehr zunimmt. Bei dieser Form des Kommunion-empfangs fehlen in der Regel äußerlich vollzogene Gesten der Anbetung. Nur in seltenen Fällen sieht man eine vorausgehende Kopfverneigung, und noch seltener eine tiefe Körperverneigung, weil diese Gesten in einer sich zügig bewegenden Schlange der Kommunizierenden kaum möglich ist. Ferner erinnert die Geste des Anfassens der Hostie mit den eigenen Fingern sehr deutlich an die Geste der gewöhnlichen Nahrungsaufnahme. Abgesehen von den gravierenden Folgen des Partikelverlustes und des Hostiendiebstahls fehlen dieser Form des Kommunionempfangs eindeutige äußere Zeichen der Anbetung und der Sakralität. Meine zwei Bücher verstehe ich gleichsam als einen Aufruf an die Gläubigen, und in erster Linie an die Verantwortlichen in der Kirche, doch innezuhalten, nachzudenken und erneut gewahr zu werden, um Wen und nicht um Was es sich in der konsekrierten Hostie handelt. Wir können nicht einfach so weitermachen und sagen: „Es ist alles in Ordnung" oder „Wir haben das schon so lange Jahre gemacht". Es gibt allerdings auch Gläubige, die mit inne-rer Ehrfurcht die Handkommunion pflegen. Dennoch fehlen auch in diesen Fällen eindeu-tige äußere Gesten der Anbetung, vor allem die biblische Geste des Kniens, in der Hl. Schrift „Proskynesis" genannt. Bei meinem Aufruf geht es in erster Linie um den objekti-ven Zustand. Es ist höchste Zeit anzuhalten und gläubig wahrnehmen: einerseits die uner-messliche Größe und Erhabenheit des eucharistischen Leibes Christi sowie des Augen-blickes der heiligen Kommunion und andererseits das erschreckende Ausmaß an objekti-ver Banalität und Ehrfurchtslosigkeit gegenüber dem erhabensten Geheimnis unseres Glaubens und dem Sakrament der Liebe."

Msgr. Athanasius Schneider:
"Daß die genaue heutige Form der Handkommunion urchristliche Praxis sein soll, ist ein reines Märchen bzw. eine ideologisch motivierte Irreführung. Aus den schriftlichen Zeug-nissen und der Ikonographie steht folgendes fest: die Kommunion wurde vom Priester auf die rechte Handfläche gelegt, bevor diese gereinigt bzw. gewaschen wurde, und die Frau-en legten auf ihre Handfläche ein weißes Linnentüchlein, „Dominicale" genannt. Darauf ging man mit dem Kopf bis zur Handfläche hinunter und nahm die Kommunion -tief verbeugt - direkt mit dem Mund auf, ohne sie mit den Fingern zu berühren. Danach reinigte man mit dem Mund die Hand bzw. das Tüchlein von etwaigen Partikeln. Diese Form ist heu-te noch im byzantinischen Ritus erhalten geblieben, allerdings nur für die Kommunion der Bischöfe, Priester und Diakone. Die heutige Form stammt von den Kalvinisten. Selbst viele Lutheraner - vor allem in Skandinavien - haben die kniende Mundkommunion fast bis in unsere Gegenwart erhalten. Das Argument mit der Rückkehr zur "urchristlichen" Praxis ist kein überzeugend katholisches Argument, sondern entspricht dem liturgischen Archäo-logismus, den z. B. schon die Jansenisten praktiziert haben, vor allem in der sogenannten Synode von Pistoia (Ende des 18. Jahrhunderts), die aber vom Päpstlichen Lehramt feier-lich verurteilt wurde. Auch Papst Pius XII. hat in seiner klassisch gewordenen liturgischen Enzyklika „Mediator Dei" den liturgischen Archäologismus verurteilt. Das II. Vatikanische Konzil hat sich in der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium" am meisten direkt oder indirekt auf „Mediator Dei" berufen und den Geist des Lehramtes Pius' XII. im folgen-den Grundsatz wiedergegeben: „Es sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gleichsam organisch heraus-wachsen und ein wahrer und sicherer Nutzen der Kirche dies verlangt" (Nr. 23). Die manchmal verbreitete absurde Behauptung, daß die Handkommunion auf das II. Vatikani-sche Konzil zurückgehe oder zumindest seinem Geist entspricht, ist ein weiterer Beweis für die Existenz liturgischer Mythen. Für manche Geistliche, „Liturgieteams" und Liturgie-kommissionen, die in der heutigen kirchlichen Bürokratie Machtpositionen innehaben, würde ein Entmythologisierungsprozess in diesem Sinne notwendig und nützlich sein."


Pater Bernward Deneke FSSP (Priesterbruderschaft St. Petrus)
hat in der Wochenzeitschrift "Schweizerisches Katholisches Sonntagblatt"
in der Ausgabe 18 vom 6. September 2009 einen interessanten, lesenswerten Artikel
über den Kommunionempfang geschrieben.

Es ist sicherlich richtig, wenn man sich diese Pflichten mal wieder vor Augen führt.

Wir danken dem Autor und der Redaktion der Zeitschrift für die
freundliche Genehmigung, den Artikel hier veröffentlichen zu dürfen.


Man geht zur Kommunion, und das möglichst vollzählig. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Der Messbesucher, der während der Kommunionausteilung an seinem Platz verweilt, hat Seltenheitswert erlangt. Und er muss es gelegentlich sogar erleben, dass ihn ein Priester oder Kommunionhelfer in missglückter Nachahmung des Guten Hirten an der Kirchenbank aufsucht, um ihn noch einmal ganz persönlich zum gemeinschaftlichen Mahl einzuladen. Mancherorts werden Aufforderungen ausgesprochen von der Art: «Jesus ist für alle da, niemanden schliesst Er aus. Kommet also alle und esset.» Das soll ganz unabhängig von der Frage nach dem religiösen Bekenntnis und der Lebensweise der Menschen gelten.

Eigentlich konsequent, wenn man in der Kommunion nur eine religiöse Mahlzeit, ein sinniges Zeichen der Gemein-schaft mit Jesus und den Mitmenschen sieht. Es wäre tatsächlich ein sonderbares Mahl, bei dem sich einige damit begnügen müssten, den anderen beim Essen zuzuschauen!

Ganz anders liegt der Fall freilich dann, wenn auf unseren Altären das Erlösungsopfer Jesu Christi dargebracht wird und wenn Er selbst, der ewige, menschgewordene Gottes-sohn, als Frucht dieses Opfers denen gereicht wird, die Ihm durch Glauben und Liebe angehören und durch Ihn, mit Ihm, in Ihm leben wollen. Genau das aber ist Lehre des katho-lischen Christentums.

Mit aller Deutlichkeit fordert der heilige Paulus die Korinther auf, sich vor dem Empfang des Leibes und Blutes Christi zu prüfen, «denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet» (1 Kor ll,28f.). Dieser Prüfung und Unterscheidung mögen folgende fünf Grundsätze dienen:

  1. Die Heilige Kommunion darf nur ein getaufter, gläubiger Katholik empfangen. (Auf kirchenrechtliche Ausnahmen ist hier nicht einzugehen.) Das Taufsakrament bildet ja die unbedingte Voraussetzung für alle anderen Sakramente, die Zugehörigkeit zur Kirche aber und die Übereinstimmung mit ihrem Glauben sind erfordert, weil ein wesentlicher Zusammenhang zwischen dem eucharistischen und dem mystischen Leib Jesu Christi, der Kirche, besteht. Es ist widersprüchlich, wenn man heute richtigerweise die Bedeutung der Kommunion als Sakrament der kirchlichen Einheit hervorhebt, zugleich aber Menschen, die sich erklärtermassen ausserhalb dieser sichtbaren Einheit befinden, zur Kommunion einlädt, zuweilen sogar drängt.

  2. Die Heilige Kommunion ist ein «Sakrament der Lebenden»; d.h. sie darf auf keinen Fall im Zustand einer schweren (für das Gnadenleben tödlichen) Sünde empfangen werden. Wer seit längerer Zeit nicht mehr persönlich gebeichtet hat, der tut auch dann, wenn er sich keiner himmelschreienden Verfehlung bewusst ist, gut daran, vor dem Weg zur Kommunionbank seine Seele und sein Herz im Sakrament der Busse zu reinigen.

  3. Damit der Leib des Herrn von gewöhnlicher Speise unterschieden werde, hat man von alters her eine «eucharistische Nüchternheit» eingehalten. Die heutige Vorschrift verlangt nur noch eine Stunde Nahrungslosigkeit bis zur Kommunion; es ist also möglich, sich sonntags direkt von einem reichlich gedeckten Frühstückstisch zur heiligen Messe aufzumachen und dann zum Tisch des Herrn zu gehen! In Anbetracht dieser Lage kann nur wärmstens empfohlen (freilich nicht vorgeschrieben) werden, durch eine längere Nüchternheit von z.B. drei Stunden bewusst den Akzent einer «ganzheitlicheren» Vorbereitung zu setzen.

  4. Niemand gehe zur Heiligen Kommunion, «weil man halt geht». Gruppenzwänge und blosse Routine haben vor dem Allerheiligsten nichts zu suchen. Bekanntlich kommunizierten die meisten unserer grossen Heiligen keineswegs täglich (geschwei-ge denn mehrmals täglich!), oft nicht einmal wöchentlich. Auch der heilige Bruder Klaus, der doch geistig wie körperlich ganz von der Eucharistie lebte, empfing den Leib des Herrn verglichen mit vielen Kirchgängern unserer Zeit eher selten, prakti-zierte aber täglich die geistliche Kommunion. Wichtiger als die Quantität ist die Qualität des Kommunionempfanges. Dafür bedarf es einer entsprechenden seelischen Vorbereitung durch Reinigung des Gewissens, persönliche Opfer und starke Sehnsucht nach dem Brot des Lebens, ebenso einer Nachbereitung durch die Danksagung nach der heiligen Messe.

  5. Die Gabe des Sakramentes ist zugleich eine Aufgabe. Gerade wer häufiger kommuni-ziert, muss sich auch um ein beständiges Wachstum im Glauben durch Gebet und Schriftlesung bemühen, um eine Durchdringung seines ganzen Denkens, Redens und Tuns mit dem Geist der Liebe zu Gott und zum Nächsten, um Einsatz für das Reich Christi und für das Heil der unsterblichen Seelen. Ansonsten würde die Heilige Kommunion unfruchtbar bleiben.

Weder die Überängstlichkeit mancher früheren Zeiten noch die heute so verbreitete Leichtfertigkeit dürfen unser Verhältnis zu dem wunderbaren Sakrament des Altares bestimmen. Die beste Lehrmeisterin ist auch hier diejenige, die den Gottessohn in vollkommenster Liebe und Hingabe, Demut und Reinheit empfangen hat: Maria. Gerade inmitten der schlimmen eucharistischen Missstände der Gegenwart ruft die Kirche nach solchen Menschen, die sich beim Kommunizieren an dem Vorbild der jungfräulichen Gottesmutter ausrichten und immer wieder erneuern.

P. Bernward Deneke FSSP, St.Pelagiberg

 

aktualisiert am: 18.11.2014

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