Die Orgel in unserer Kirche



Nach den Wirren des Krieges und der nahezu vollständigen Zerstörung unserer Kirche wurde erst 1967 eine neue Orgel installiert. Der Hersteller war die Orgelbauanstalt Romanus Seifert in Kevelaer.

Die Orgel besaß im Urbestand zunächst ein 23-Register-Werk, 1612 Pfeifen, zwei Manuale und Pedal, vollmechanisch.

Aufgrund eines Anteils von 796 antiken Pfeifen in einer Zinnlegierung konnte bereits damals klanglich ein „eigentümlicher, warmer Glanz“ gewonnen werden: „Es ist offenkundig, daß der spezifische Orgelklang nicht zuletzt auf das wertvolle alte Pfeifenmaterial zurückzuführen ist; mit neuem Material allein läßt sich dies nicht erzielen.“ (Josef Zimmermann) Bereits im Anschluß an die Orgelweihe vom 16. Juli 1967 wurde das Instrument in dieser Weise gerühmt.

Im Jahre 1995 erweiterte man das mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur ausgestattete Instrument zur Dreimanualigkeit (Hauptwerk, Schwellwerk, Brustwerk) und approximativ 3000 Pfeifen. Im Jahre 1999 erfolgte der Einbau eines elektrisch gesteuerten Glockenspiels aus Schalenglocken mit 39 Tönen (C‘ – d‘‘‘).

Zur Vergrößerung der Orgel bemerkt Orgelsachverständiger Eckhard Isenberg: „Während andernorts die Gemeinden schrumpfen, trifft man in St. Maria in der Kupfergasse auf den höchst seltenen Fall, daß man die Orgel erweitern mußte, weil sie schlicht unter dem immer lauter werdenden Gesang verschwand…. Aber spätestens in der Festoktav im September eines jeden Jahres stellt sich die bange Frage, ob es noch reicht. Ohne Tutti geht es auch bei der neuen Orgel dann schon längst nicht mehr.“

Nahezu zwei Jahrzehnte später erfolgten Reinigung und Revision der Orgel mit dispositionellen Maßnahmen, Neuanlage der Intonation und der Einbau einer neuen Setzeranlage:

Am Tag nach der Festwoche, am 10. September 2018, wurde die Orgel abgebaut und in die Werkstatt Sauer und Heinemann nach Höxter gebracht. Sie wurde nach den ersten Arbeiten u.a. durch Orgelbaumeister Sebastian Sauer, Marco Niemeyer und Benjamin Mutter dann peu à peu wieder in St. Maria in der Kupfergasse aufgebaut und von Orgelbaumeister Thomas Heinemann und dem Orgelsachverständigen Hans-Ulrich Funk mit viel Liebe zum Detail intoniert. Die Disposition wurde verändert. So ziert das Brustwerk heute eine markante Vox humana, und das Pedal erhielt als Zutat eine Trompete 4‘. Im Schwellwerk befindet sich das Krummhorn, und auch das Fundament der Orgel wurde bereichert. Die barock angelegte Intonation und die historische Stimmung verleihen der prächtigen Orgel ein ganz besonderes Klangbild.

Am 2. Adventssonntag 2018 konnte nach dreimonatiger Arbeit das klanglich veredelte Werk mit seinem neuen Klangbild erstmalig wieder gespielt werden. Die festliche Orgelweihe vollzogen Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann und Msgr. Dr. Thomas Vollmer, Pastor der Kupfergasse, im Rahmen eines lateinischen Choralamtes, welches von der Choralschola St. Maria in der Kupfergasse (Ltg. Georg Maessen) und Sven Scheuren, Kirchenmusiker an St. Maria in der Kupfergasse, musikalisch mitgetragen wurde.

Es ist eine große Freude, zur würdigen Begleitung des heiligen Meßopfers in St. Maria in der Kupfergasse ein derart klangschönes Instrument zur Verfügung zu haben.

(Text: Sven Scheuren)

Für Interessierte sei nachstehend die Disposition bekannt gemacht:

Hauptwerk (I. Manual  C-a''')

Bordun 16’
Prinzipal 8’
Rohrflöte 8’
Octav 4’
Gedacktflöte 4’
Superoctav 2’
Sesquialtera II
Mixtur 4-6 fach
Trompete 8’
Clarine 4’
Glockenspiel 8’ (steht im Schwellwerk)
Tremulant

 

Schwellwerk (II. Manual C-a''')

Geigenprinzipal 8’
Bordun 8’
Salicet 8’
Voix celeste 8’
Flute octaviante 4’
Nazard 2 2/3’
Octavin 2’
Terz 1 3/5’
Octävlein 1’
Fourniture 3-4 fois
Basson 16’
Trompette 8’
Hautbois 8’
Krummhorn 8’
Tremulant
 
Pedalwerk

Untersatz 32'
Prinzipalbaß 16’
Subbaß 16’
Octavbaß 8’
Gedacktbaß 8’
Holzoctav 4’
Rauschwerk 3 fach (2', 1 1/3', 1')
Posaune 16’
Trompete 4'
 
Brustwerk  (III. Manual c-a''')

Holzgedack 8’
Quintade 8’
Prinzipal 4’
Koppelflöte 4’
Flachflöte 2’
Quinte 1 1/3’
Scharff 4fach
Vox humana 8'
Tremulant

Mechanische Spiel- und elektrische Registertraktur,
Setzeranlage (2018) mit 9.999 Speicherplätzen
Koppeln: BW-SW, BW-HW, SW-HW, HW-SW, BW-Ped, SW-Ped, HW-Ped  

 

 

aktualisiert am: 27.12.2018

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