Monatsbrief 6/2020




Klaus-Peter Vosen, Pfr.
Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
„OmniaChristo“ in der Erzdiözese Köln
Schwalbengasse 12-14, 50667 Köln

Köln, am 1. Juni 2020


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

wenn ich im Sommer in Lisieux bin, gehe ich gern wenigstens einmal während eines Aufenthalts auf den städtischen Friedhof, der bekanntlich oberhalb der Basilika liegt. Hier befindet sich die ursprüngliche Begräbnisstätte der heiligen Theresia, hier ist auch das Grab ihrer Tante Elina-Céline und ihres Onkels Isidore (und anderer Familienangehöriger), hier liegen auf dem Grabfeld der Karmelitinnen auch viele der Mitschwestern Theresias, die deren irdischen Weg säumten, so zum Beispiel Mutter Maria von Gonzaga, Schwester Maria von der Dreifaltigkeit sowie Theresias Cousine Sr. Maria von der Eucharistie (Marie Guérin). Deren Namen kann man dort zwar im Einzelnen nicht mehr lesen, aber ihre sterblichen Überreste sind auf diesem Feld beigesetzt (während Theresias Mitschwestern Mutter Agnes von Jesu, Sr. Maria vom Heiligsten Antlitz und Sr. Genoveva vom Heiligsten Antlitz, die gleich ihr Karmelitinnen waren, unter dem jetzigen Grab Theresias in der Karmelkapelle ihre letzte irdische Ruhe fanden. Verständlicherweise werden all diese Grabstätten pietätvoll in gutem Zustand gehalten.

Bevor man jedoch zum Gräberfeld der Karmeliterinnen emporsteigt, wo einst Theresias Begräbnisplatz war, findet man auf einem ins Tal führenden Weg eine Reihe von ehemals sehr noblen, jetzt aber stark verwitterten Gräbern, auf denen man nur mit Mühe die Namen lesen kann. Wenn man sich aber die Mühe macht, sie zu entziffern, trifft man zu seinem Erstaunen auf bekannte Namen: Delatroëtte, Maupas, Ducellier. Kenner des Lebens unserer Heiligen wissen, wem sie zuzuordnen sind. Es handelt sich um Priestergräber. Abbé Ducellier war derjenige (zuerst Kaplan, dann Pfarrer und Dechant an der Kathedrale St. Peter in Lisieux), bei dem Theresia Martin ihre erste heilige Beichte abgelegt hat. Die Pfarrer Delatroëtte und Maupas waren Onkel und Neffe; sie amtierten nacheinander an Theresias Wohnortpfarrkirche St. Jacques und als solche Superioren des Karmels von Lisieux. Pfarrer Delatroëtte war derjenige, der Theresias Ordenseintritt verhindern wollte, weil er sie damals für zu jung hielt. Pfarrer Maupas spendete Theresia am 30. Juli 1897 de Krankensalbung und machte sie glücklich mit seinem Wort, dass sie in ihrer Taufunschuld stehe. Damit bestätigte und nährte er die Glaubenshoffnung unserer Heiligen, sofort nach ihrem Tod zur seligen Anschauung Gottes im Himmel zu gelangen. Pfarrer Maupas hat Theresia dann am 4. Oktober 1897 auch beerdigt. Bei allen dreien scheint es sich um verantwortungsbewusste Priester gehandelt zu haben, die mit Eifer und Autorität ihren priesterlichen Dienst zur Ehre Gottes und zum Heil der unsterblichen Seelen taten. Mit Pietät, Dankbarkeit und Liebe haben die Menschen den Dienst dieser Männer geachtet - Zeugnis von der ihnen erwiesenen Wertschätzung gibt nicht zu letzt ihre ursprüngliche Grabgestaltung, die man noch erahnen kann. Umso mehr berührt dann aber der heutige Verfall und die Verwitterung der Begräbnisstätten, über die aus den Ritzen der Grabeinfassung an warmen Sommertagen die Eidechsen flitzen, während ockerfarbene Flechten die Steine bedecken.

Man könnte wohl die Vermutung äußern, dass diese Priestergräber, lägen sie in Deutschland, besser in Schuss wären, zumal es sich ja bei den dort Bestatteten um Männer handelt, die in Verbindung mit jener standen, ohne die heute kaum ein Mensch außerhalb Frankreichs das normannische Städtchen Lisieux kennen würde. Mit dieser Vermutung hätte man wohl auch recht. Doch darf man nicht vergessen, dass es in Frankreich eine deutliche Trennung von Kirche und Staat gibt. Das heißt, die Kirche müsste, da es sich bei den Gräbern nicht um auch national bedeutsame Kunstschätze handelt, allein für deren Instandsetzung sorgen, wozu sie aber wegen fehlender Kirchensteuereinnahmen nicht in der Lage ist.

Wichtiger ist für uns jedoch die Botschaft, die diese Priestergrabstätten gerade in ihrem jetzigen Zustand in sich tragen. Vielleicht vermitteln sie uns den bildlichen Hinweis: Wer weiß, wie jene, die auf Erden geachtet, ja „glänzend“ in den Augen ihrer Mitmenschen dastanden, nach ihrem Tod vor Gott dastehen! Was in den Gräbern liegt, sind die armen, sterblichen Überreste des Leibes. Wichtig ist aber vor allem, in welchem Zustand sich die Seele eines Menschen präsentiert. Es muss nicht unbedingt für die genannten Priester gelten, aber es mag wohl sein, dass, ähnlich wie die Sorge für Priestergrabstätten nach einer gewissen Zeit seitens der Nachwelt nicht mehr geleistet wird, man auch das Gebet dafür unversehens unterlässt, dass die Seelen der verstorbenen Priester doch bald zur ewigen Seligkeit des Himmels zugelassen werden. Sie trugen auf Erden hohe Verantwortung für die Seelen vieler. Für jede einzelne, die ihnen anvertraut war, werden sie einmal bei Gott Rechenschaft ablegen müssen. Da haben die Priester das treue und intensive Gebet der Gläubigen nötig, damit ihre Seelen nicht, wie der Heiland einmal sagt, übertünchte Gräber sind (vgl. Mt 23,27), sondern beim guten Vater im Himmel Erbarmen finden. Die heilige Theresia war sich der Notwendigkeit des Gebets für die Priester sehr bewusst, und so hat sie bei ihrem Profess-Examen als ein Hauptmotiv ihres Ordenseintritts genannt: Seelen zu retten und für die Priester zu beten. Jedem, der Theresia liebt, sollte es ein Herzensanliegen sein, sich auch in diesem Punkt an ihr zu orientieren. Beten wir für die Priester, solange sie noch leben, dass ihre Verkündigung Christi die Seelen erreicht, aber auch, wenn sie schon verstorben sind, damit unser Erlöser sie zu den Quellwassern des Lebens führt!

Frohen Herzens weiß ich, dass mein Brief auf fruchtbaren Boden fällt, denn viele von Ihnen und Euch sind schon jetzt wunderbare Gebetshelfer für die Priester. Intensivieren Sie dieses Gebet bitte nach Möglichkeit noch - und vergessen Sie die verstorbenen Priester nicht. Für Ihr Gebetsgeschenk und für jegliche andere Unterstützung danke ich Ihnen und Euch herzlich - auch im Namen meiner Mitbrüder im priesterlichen Dienst. Wir können in unseren Tagen viele für Christus gewinnen, aber alles äußere Tun muss durch das Gebet gleichsam unterfüttert sein.

Mit herzlichem Gruß und mit meinem priesterlichen Segen für Sie alle,

Ihr/ Euer

Klaus-Peter Vosen, Pfr.

(Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
"OmniaChristo" in der Erzdiözese Köln)



Theresianische Familienbewegung
"OmniaChristo"
in der Erzdiözese Köln

Schwalbengasse 12-14, 50667 Köln
Tel.: 0221-25 722 06,  Fax: 0221-25 722 49

E-Mail:  info@omniachristo.de,   Homepage: www.omniachristo.de

Bankverbindung:  Pro OmniaChristo e.V.
Kölner Bank, BLZ: 370 600 87, Konto: 942 749 007
BIC:  GENODED1CGN,  IBAN: DE13 370 600 870 942 749 007
 

 

aktualisiert am: 19.06.2020

Webmaster:  L. Valder