Monatsbrief 1/2020


 

Klaus-Peter Vosen, Pfr.
Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
„OmniaChristo“ in der Erzdiözese Köln
Schwalbengasse 12-14, 50667 Köln

 
Köln, am 1. Januar 2020, dem Hochfest der Gottesmutter Maria


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

meine besten Wünsche für ein gesegnetes Jahr 2020 an Euch und Sie alle möchte ich zweifach akzentuieren. Vor einiger Zeit stieß ich nämlich in den „Letzten Gesprächen“ der heiligen Theresia von Lisieux, unserer Patronin, auf zwei Stellen, die gute Leitmotive für das eben begonnene neue Jahr sein können.

Am 12. Juli 1897, zweieinhalb Monate vor dem Tod der Heiligen, sprach diese zu ihrer Schwester Céline von der „Eile“, die ihrer beider Vater, der heilige Louis Martin, immer an den Tag gelegt habe. Céline erklärt dazu in einer Fußnote: „Damit wollte sie nicht sagen, er sei ein gehetzter Mensch gewesen, sondern sie meinte damit seine Veranlagung, die es ihm unmöglich machte, etwas auf morgen zu verschieben, was er heute tun konnte. Nie zögerte er die Durchführung einer einmal getroffenen Entscheidung hinaus“ (Therese Martin, Ich gehe ins Leben ein. Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux [Leutesdorf 2003], S. 235 mit Anmerkung 1).

Liebe Freunde, was für ein Vorbild! Wie oft sind wir am Ende eines Tages, einer Woche oder eines Jahres innerlich unzufrieden, weil wir etwas, das wir uns schon vor langer Zeit vorgenommen hatten, immer noch nicht umgesetzt haben. Wir sind manchmal wahre Meister im Verschieben. Dabei betont unser Herr Jesus Christus immer wieder die Bedeutung des gegenwärtigen Zeitpunktes. Heute sollen wir in seine Nachfolge eintreten, heute sollen wir uns bekehren, unsere Reich-Gottes-Arbeit verträgt keinen Aufschub. Also sollten wir uns doch für 2020 den heiligen Louis Martin zum Weggefährten erwählen, der nichts verschob, was er an Gutem wirken konnte. Ergreifen wir das Heute, lassen wir das Wirklichkeit werden, was wir schon lange an Gutem, Wertvollem planen, nehmen wir schon heute die Gelegenheiten wahr, die sich uns zum Aufbau des Gottesreiches bieten. Dann kann uns das neue Jahr zu einem besonderen Jahr des Segens werden.

Lassen wir uns dabei aber stärken von der zweiten Stelle aus den „Letzten Gesprächen“, auf die ich (wieder) stieß. Manchmal stehen wir ja in der Versuchung, zu meinen, dass es den Himmel nicht interessiere, wenn wir uns auf Erden – vielleicht unter erheblichen Schwierigkeiten – mühen, Gutes zu tun. Wir verspüren oft nicht sofort eine Belohnung, und scheinbar geht es denen, die sich weder um Gott noch um den Nächsten scheren, trotzdem gut.

Aber solche Gedanken sind letztlich Vorspiegelungen des Bösen, der uns glauben macht, Gott müsse uns „dankbar“ sein, und der uns den Glauben an den Lohn, den der Vater im himmlischen Reich zuteil werden lässt, aus unserem Herzen reißen will. Und was sich hinter den oft glänzenden Fassaden mancher Gottvergessender an Elend abspielt, vermag uns der Widersacher Gottes manchmal tatsächlich sehr wirkungsvoll zu verschleiern.

Wie nahe uns der Himmel ist, wie sehr er uns Menschen in Liebe zugewandt ist, wie sehr auch die Heiligen Gottes bereit sind, mit uns geradezu in ein Zwiegespräch des Herzens einzutreten und unsere Fragen zu beantworten, durfte Céline Martin kurz nach dem Tod ihrer heiligen Schwester Theresia erfahren. Wenn wir ähnliche Erfahrungen machen wollen, müssen wir nur – wie Céline – empfänglich werden für das, was wir aus der Welt Gottes hören (ohne gleich jeden unserer Einfälle für eine „Eingebung“ Gottes zu halten!). Céline schreibt:

„Die Gnade des Haec facta est mihi, die mir ungefähr drei Wochen nach ihrem Tod zuteil wurde, war die Antwort auf die innerliche Frage, die plötzlich während der Terz [Element des kirchlichen Stundengebetes] in mir aufstieg: - „Theresia hat mir nicht gesagt, daß sie den erhofften Platz auf den Knien des lieben Gottes erhalten hat?...“ Und genau in diesem Augenblick sprach der Chor die Worte: Haec facta est mihi … Ich verstand diese Worte nicht, und kaum war das Offizium zu Ende, schlug ich die Übersetzung nach: Haec facta est mihi… So ist mir geschehen…“ (Therese Martin, Ich gehe ins Leben ein. Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux [Leutesdorf 2003], S. 237).

Möchten wir im Jahr 2020 auch solche Erfahrungen eines „offenen Himmels“ machen, der in lebendigem, liebendem Austausch mit uns steht (vielleicht etwa bei der heiligen Kommunion, in der ja wahrhaft der Herr des Himmels in unsere armen Menschenseelen hinabsteigt…). Wie könnte der gute Gott und wie könnten jene, die schon bei ihm sein dürfen, nicht herzliche Freude haben an allem, was durch uns – ohne Aufschub möglichst! – an Gutem geschieht? Ein wunderbarer Ansporn, das, was wir an Gutem vollbringen können, beherzt und froh heute zu tun – nicht zuerst im Gedanken an die Belohnung, sondern (wie Theresia und die anderen es so gut verstanden) aus reiner Liebe!

Das Jahr 2020 bietet uns wunderbare Möglichkeiten. Nutzen wir sie so, wie es Gott gefällt und ihm zur Ehre gereicht!


Herzliche Segenswünsche

Ihr

Klaus-Peter Vosen, Pfr.

(Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
"OmniaChristo" in der Erzdiözese Köln)

 



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aktualisiert am: 01.02.2020

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