Monatsbrief 11/2019


 

Klaus-Peter Vosen, Pfr.
Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
„OmniaChristo“ in der Erzdiözese Köln
Schwalbengasse 12-14, 50667 Köln

Köln, am Hochfest Allerheiligen, dem 1. November 2019


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

als der heilige Louis Martin, der Vater unserer Patronin, der heiligen Theresia von Lisieux, im November 1877 mit seinen Töchtern nach Lisieux übersiedelte, hatte er schmerzliche Erschütterungen hinter sich, die geeignet waren, das Lebenshaus eines Menschen ins Wanken zu bringen.

Seine geliebte Ehefrau Zélie war ihm nach glücklicher Ehe durch den Tod entrissen worden, als sie nicht einmal 46 Jahre gezählt hatte, und die Tatsache, dass er nun mit fünf Kindern im Alter von vier bis 17 Jahren alleine dastand, hatte die Übersiedlung von Alençon nach Lisieux notwendig gemacht. Dort lebte der Bruder Zélies mit seiner Familie, und Louis konnte mit Recht darauf zählen, dass er von diesem Schwager und dessen warmherziger Ehefrau Unterstützung in seinen Vaterpflichten erführe. Aber Louis‘ ganzer Freundeskreis wohnte in Alençon, und so kam der Wegzug von dort einer Entwurzelung gleich. Die Frau und zugleich das freundschaftliche Lebensumfeld fast auf einen Schlag einzubüßen – das hätte mancher nicht überlebt. Zumindest hätte man verstehen können, wenn aus demjenigen, dem solches widerfahren war, ein griesgrämiger, verbitterter, eigenbrötlerischer Sonderling geworden wäre. Louis Martin – sicher in der Kraft seines felsenfesten Glaubens – reagierte anders: Zwar war er ein eher nachdenklicher und stiller Mann. Aber er nahm bewusst am Leben der Menschen um ihn herum teil, gestaltete und verwandelte es. In Lisieux engagierte er sich für das Reich Gottes, trug die nächtliche Anbetung und die Vinzenzkonferenz, welche im Dienst der Armen stand, mit und natürlich interessierte er sich auch für seine Verwandten in der Familie seines schon erwähnten Schwagers Isidore Guérin, die ihn hochschätzten und verehrten. Ganz besonders aber beschenkte und verwandelte er das Leben seiner Kinder, die natürlich noch unter dem schmerzlichen Eindruck des Todes der lieben Mutter standen. Louis‘ Tochter Céline schreibt über das Leben der Martins an diesem neuen Wohnsitz, den „Buissonnets“:

„Vater war so gut, so heilig. Vom Charakter her fröhlich, wusste er unser häusliches Leben heller zu machen. Er besaß einen Vorrat an guten Sprichwörtern, an lustigen Geschichten, an alten Liedern, die er, wenn es sich so ergab, sang oder rezitierte. All das machte ihn zum charmantesten Begleiter. In der Vertrautheit der „Buissonnets“ lag stets eine Note wahrer und gesunder Freude. Zu unserer Unterhaltung genügten wir dort einander selbst und verließen unseren Familienkreis gewöhnlich nicht, außer um zu einer Abendgesellschaft im Katholischen Zirkel zu gehen. Aber das geschah selten.
Keiner konnte ihn als lebendigen Mittelpunkt unseres häuslichen Miteinanders übertreffen. Er wusste sich auf unsere Ebene gleichsam hinab zu begeben und interessierte sich für unsere Spiele, wie es Heinrich IV. oder Napoleon ähnlich zu ihrer Zeit getan haben sollen. Manchmal ließ er geschickt vergoldete Murmeln über den Fußboden rollen oder er klopfte Militärmärsche mit den Fingerspitzen, und das mit perfekter Taktsicherheit. Dann wieder versteckte er Überraschungen im Garten und verfolgte unsere Suche mit den Worten ‚heiß‘ oder ‚kalt‘, je nachdem, ob wir uns den Objekten näherten oder nicht. Oder er hielt etwas sehr hoch außerhalb unserer Reichweite und rief aus: ‚Das ist für den Ersten, der ‚Amen‘ sagt!‘ Ich habe schon erwähnt, dass er sogar Spielzeuge für uns machte, denn er war sehr ideenreich in dieser Hinsicht. In den Tagen unserer Kindheit in Alençon warf der Reflektor einer Straßenlampe abends einen Schatten über die Straße herüber. Um uns eine Freude zu machen, trug er uns, eine nach der anderen, durch Schatten und Licht.

Er hatte eine sehr schöne Stimme und es war ein wirkliches Vergnügen, ihm zuzuhören, wenn er sang oder rezitierte. Oft ahmte er auch das Zwitschern oder den unterschiedlichen Gesang der Vögel nach. Er hatte ebenso eine perfekte Mimik, und Theresia musste diese Kunst von ihm gelernt haben, die, es ist nur gerecht, das hinzuzufügen, sie wie Vater stets mit Liebe und Takt einsetzte. In den Schriften der Heiligen wie in den Briefen der ganzen Familie stoßen wir auf jene Lieder und Sprichwörter, die unser Vater uns vermittelte. Viele von ihnen sind im Dialekt der Normandie oder Auvergne gehalten. Sie standen ihm für jede Gelegenheit zu Gebote. ‚In den Kämpfen und Zusammenstößen des Lebens müssen wir die Reisenden, Tombi, Carabi, nachahmen: wieder aufstehen nach jedem Fall und stets besser werden wollen.‘ Als ausgezeichneter Billardspieler sagte er üblicherweise mit Nachdruck: ‚Hienieden müssen wir unsere beste Kugel gut spielen‘, oder, indem er den Akzent von Marseille nachahmte, ‚dieses Leben ist ein Theater, und jeder spielt seine eigene Rolle, meine Liebe!‘“ (Céline Martin, Meine Eltern Louis und Zélie. Die starken Wurzeln der heiligen Therese von Lisieux, Illertissen, S. 63 bis 65)

Vielleicht vermisst mancher hier die religiöse Dimension des Familienlebens, aber diese war bei den Martins, durch das Beispiel von Zélie und Louis angestoßen, stets über alle Zweifel erhaben und in jeder Hinsicht für das Miteinander von Eltern und Kindern prägend. Hier geht es uns einfach um Louis‘ menschliche Zuwendung zu den Seinen. Was ließ er sich nicht alles einfallen, um das Leben seiner Töchter froh und heiter zu gestalten, welche Mühe nahm er dafür nicht auf sich! Trotz allem Erlebten waren es nicht Trauer und Bitterkeit, die den Alltag in den „Buissonnets“ bestimmten, sondern – dank Louis – herrschte die Freude vor!

Sicherlich hätte es für Louis Martin oft nahe gelegen, sich eher in Grübelei und Gedankensalven, in eine wehmütige Flucht in die Erinnerung zurückzuziehen. Er kannte seine Stunden des Rückzugs zu Besinnung und stiller Lektion. Aber er blieb den Kindern gegenüber offen und stets herzlich zugewandt. So vollbrachte er ein kleines Wunderwerk der Nächstenliebe.

Verschönern wir eigentlich auch das Leben jener, mit denen wir zu tun haben? Geben wir uns Mühe, sie heiter zu stimmen? Sind wir darauf bedacht, ihnen immer wieder einmal – auch ohne Anlass – kleine Freuden zu bereiten? Es wäre ein wahrhaft christliches, gottgesegnetes Werk, wenn wir uns hier einen Neuanfang vornehmen könnten. Habe ich selbst zu Schweres erlebt, um Freude verbreiten zu können? Vielleicht werde ich ja gerade dadurch wieder froh, dass ich für andere Freudenbringer bin! Machen wir einfach einen Anfang, Gott wird unsere gute Absicht sicher vollenden. Denken wir an Louis Martin, der sich sicher auch zunächst erst selbst überwinden musste, bevor er Lichtpunkte in das Leben der Menschen hineinbringen konnte. Aber mit Gottes Hilfe ist es ihm gelungen! Oder glauben wir, die anderen hätten solchen Einsatz von unserer Seite nicht verdient? Selbst wenn wir damit Recht hätten: Wie soll denn die Nacht der Welt erhellt werden, wenn wir uns als Zeugen des Lichtes Christi gewissermaßen weigern, unsere „Streichhölzer“ zu entzünden und die „Lichtschalter“ zu betätigen…. Folgen wir dem heiligen Louis Martin!

Mit herzlichen Segenswünschen

Ihr und Euer

Klaus-Peter Vosen, Pfr.

(Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
"OmniaChristo" in der Erzdiözese Köln)



P.S.: Noch einmal darf ich Sie herzlich zu unserem Einkehrnachmittag am Samstag, dem 23. November 2019, ab 14.00h in St. Maria in der Kupfergasse (Kreuzgang und Pfarrsaal) einladen. Der Einkehrnachmittag steht unter dem Titel: „Schatzfunde aus den Briefen der heiligen Theresia von Lisieux – Teil II“.

Anmeldungen bitte per E-Mail oder im Pfarrbüro (siehe unten)



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aktualisiert am: 21.11.2019

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