Monatsbrief 10/2019


 

Klaus-Peter Vosen, Pfr.
Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
„OmniaChristo“ in der Erzdiözese Köln
Schwalbengasse 12-14, 50667 Köln

Köln, am 1. Oktober 2019
 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

die heilige Zélie Martin, die Mutter der heiligen Theresia von Lisieux, unserer Patronin, schreibt in einem Brief an ihre Tochter Pauline vom 16. Januar 1876:

„Marie träumt davon, in einem schönen Haus in der Rue de la Demi-Lune,
dem Klarissenkloster gegenüber, zu wohnen.
Gestern hat sie den ganzen Abend davon gesprochen.
Man hätte meinen können, sie fände den Himmel dort.“

Die Heilige nimmt hier Bezug auf Jungmädchenträume ihrer ältesten Tochter Marie, die damals knapp 16 Jahre alt war. Es ist interessant, einmal darüber nachzudenken, was man sich selbst in diesem Alter gewünscht und erträumt hat. An manches davon werden wir sicher mit einem Lächeln oder auch mit einer leisen Bitterkeit zurückdenken. Vieles ist anders gekommen, als wir uns das seinerzeit ausmalten. Manche Naivität wurde durch die harten Realitäten des Lebens eingeholt. Letztlich lenkt und fügt Gott alles zum Guten, und vielfach wird uns das nach Jahren auch bewusst. Der Herr zerstört niemals die Freude seiner Kinder, ohne ihnen eine größere und gewissere zu bereiten, so lautet eine gläubige christliche Lebensdeutung. Zuweilen werden wir das erst in der Ewigkeit verstehen. Marie Martin, Theresias Schwester, von der ihre Mutter im obigen Briefzitat spricht, hat es schon während ihres irdischen Lebens begriffen: Sie bewohnte später nicht ein nobles Bürgerhaus, sondern eine kleine, armselige Klosterzelle im Karmel von Lisieux, in den sie 1886 eintrat, und war dort eine glückliche Ordensfrau.

Was aber nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass wir auch während unseres Lebens als Erwachsene, wo wir reif und vernünftig geworden sein sollten, immer wieder - wie ein Mädchen im Backfischalter - „unseren Himmel“ in den Dingen dieser Erde finden zu müssen meinen. Unsere Glücksvorstellungen sind vielleicht „erwachsener“ als früher, aber sie bleiben oft innerweltlich. Wer seine Seligkeit im Materiellen sucht, wird spätestens, wenn es auf das Sterben zugeht, schmerzlich daran erinnert werden, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, in denen wir irgendetwas von den Dingen dieser Welt ins nächste, das ewige Leben hineinretten können. Und wer meint, die angestrebte Seligkeit sei durch die Gemeinschaft mit einem anderen Menschen zu erlangen, überfordert diesen restlos und wird die Beziehung zu ihm letztlich zerstören. Wir sind eben für den Himmel, für das ewige Glück bei Gott erschaffen, und wer es anderswo als bei ihm zu finden meint, muss enttäuscht werden. Die Sehnsucht des Menschenherzens ist zu gewaltig, als dass irgendetwas oder irgendjemand außer Gott sie auszufüllen und zu stillen vermag.

Zuweilen gehört unser Leben auf den Prüfstand. Wir müssen uns fragen: Was macht mein Leben im Moment aus? Woran hänge ich? Worauf baue ich? Was ersehne ich mir für die Zukunft? Wir sind und bleiben alle Menschen, das ist wahr. Aber wenn in der Beantwortung der genannten Fragen nur „Welt“ und nicht auch oder kaum „Gott“ vorkommt, dann sind Kurskorrekturen angesagt. Gott gehört an die erste Stelle. Bei ihm ist Heil und Erlösung. Unseren Himmel finden wir einzig bei ihm.

Mögen in diesen herbstlichen Tagen, da die Vergänglichkeit des Irdischen uns stärker als zu anderen Zeiten ins Bewusstsein kommen mag, die heilige Theresia und ihre heiligen Eltern uns durch ihre Fürsprache die Kraft erflehen, dass wir als christliche Realisten unser Leben unter diesem Gesichtspunkt ehrlich bedenken und die rechten Folgerungen für uns ziehen! Mögen sie uns bei allen „Kurskorrekturen“, die nötig sind, zur Seite stehen!

Mit herzlichen Segenswünschen

Ihr und Euer

Klaus-Peter Vosen, Pfr.

(Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
"OmniaChristo" in der Erzdiözese Köln)


P.S.:

1)   An dieser Stelle darf ich noch einmal auf mein im Media Maria - Verlag neu erschienenes Buch „Léonie Martin“ hinweisen. Der Preis beträgt 13,95 €; es kann auch im Pfarrbüro käuflich erworben werden. Das Buch behandelt das Leben der Schwester unserer Patronin, deren Seligsprechungsprozess eröffnet worden ist, und ist das erste deutschsprachige Werk über diese großartige Ordensfrau.

2)   Geistliche Nahrung und Unterstützung will uns auch wieder unser Einkehrnachmittag bereiten, den wir

am Samstag, den 23. November 2019, ab 14.00h in St. Maria in der Kupfergasse

(Kreuzgang und Pfarrsaal) halten. Es wurde gewünscht, dass wir unsere „Schatzsuche“ nach oft überlesenen Kostbarkeiten in den Briefen der heiligen Theresia fortsetzen, mit der wir beim letzten Einkehrnachmittag begonnen haben. Meine Ausführungen am 23. November 2019 bilden aber auch in sich eine Einheit, so dass auch diejenigen gut werden folgen können, die beim letzten Mal nicht dabei waren. Ich selbst halte die Einkehrvorträge und freue mich, im November recht viele von Ihnen und Euch begrüßen zu können

„Schatzfunde aus den Briefen der heiligen Theresia von Lisieux – Teil II“

am 23. November 2019 ab 14.00h in St. Maria in der Kupfergasse (Kreuzgang und Pfarrsaal)

Bitte geben Sie Ihre Anmeldung ausgefüllt bis Freitag, 15.11.2019, im Pfarrbüro Sankt Maria in der Kupfergasse zu Händen von Frau Vosen ab:

Anmeldungen bitte per E-Mail oder im Pfarrbüro (siehe unten)



Theresianische Familienbewegung
"OmniaChristo"
in der Erzdiözese Köln

Schwalbengasse 12-14, 50667 Köln
Tel.: 0221-25 722 06,  Fax: 0221-25 722 49

E-Mail:  info@omniachristo.de,   Homepage: www.omniachristo.de

Bankverbindung:  Pro OmniaChristo e.V.
Kölner Bank, BLZ: 370 600 87, Konto: 942 749 007
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aktualisiert am: 25.10.2019

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