Quartalsbrief 3/2017


 

K.-P. Vosen, Pfr.
Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung
"OmniaChristo" in der Erzdiözese Köln
Schwalbengasse 1, 50667 Köln


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

Der Urlaub, erholsame Tage am Meer oder in den Bergen, das Erlebnis von Gottes schöner Natur, Ausspannen und zur Ruhe kommen an anderen Orten als den alltäglich gewohnten, ist für sehr viele von uns sehr wichtig. Oft brauchen wir gar nicht weit zu verreisen, oft reichen schon eine oder zwei Wochen, damit wir zum Aufatmen kommen.

Es ist schwer vorstellbar, dass unsere Urgroßeltern eigentliche Urlaubstage in den meisten Fällen nicht kannten. Sie blieben bis in das 20. Jahrhundert hinein nur sehr reichen Leuten vorbehalten, die sich eine entsprechende Erholung leisten konnten. Das war in Frankreich nicht anders. Bezahlten Urlaub für Werktätige gab es dort erst seit 1936!

Bei der Familie unserer Patronin, der heiligen Theresia von Lisieux, herrschten andere Verhältnisse. Herr Martin, ihrem Vater, standen die Mittel für weite Reisen zu Gebote. Der Wohlstand der Familie ermöglichte ihm eine längere Reise durch Europa bis zum Schwarzen Meer und nach Konstantinopel, zur Weltausstellung nach Paris – und schließlich die große Pilgerfahrt nach Rom, bei der seine Töchter Céline und Theresia ihn 1887 begleiteten. Für die Martin-Mädchen gab es aber auch, zum Teil durch die Mitwirkung von Onkel und Tante Guérin, schöne Ferienaufenthalte an der normannischen Küste. Hier gab es den Strand, frohe Spiele, die Eindrücke einer atemberaubenden Natur mit dem Donner des Meeres, der frischen Seeluftbrise, zerklüfteten Felsen und unvergesslichen Sonnenuntergängen. In Deauville-Trouville wird heute noch gezeigt, wo die hl. Theresia als Kind während ihrer Ferien wohnte. Besonders liebte sie es dort, zur heiligen Messe in der Kirche Notre-Dame-des-Victoires im Ortsteil Trouville hinaufzusteigen. Das Gotteshaus liegt, auf verwinkelten Gassen und schmalen Straßen zu erreichen, über dem terrassenartig ansteigenden Städtchen. Und von dort oben hat man einen unvergleichlichen Blick auf die Wasser der Bucht von Le Havre und die Küste. In der Ferne ziehen Schiffe ihres Weges, kreischende Möwen mit schneeweißem und zartgrauem Gefieder segeln im unendlichen Blau des Himmels, und man fühlt sich hinausgehoben über die Abläufe und die Mühen des Alltags. Theresias empfänglicher Seele wurden die Dinge dieser sichtbaren Welt, in der wir leben, zu Gleichnisbildern jener größeren, unsichtbaren Wirklichkeit, auf die hin wir unterwegs sind.

Ohne unsere Urlaubstage mit Erwartungen und Ansprüchen überfrachten zu wollen, die leicht nur neuen Stress und Erfolgsdruck verursachen: Ein wenig sollten Ferien- und Erholungstage uns dem Himmel näher bringen. Wie Theresia zur Kirche Notre-Dame in Trouville über Straßen oder Treppen emporkletterte, so müssten auch wir im Urlaub vermehrte Bereitschaft zum „Weg nach oben“ aufbringen: Neben dem Ausruhen, frischer Luft, schöner Umgebung und interessanten Sehenswürdigkeiten gehört ein tieferes Eintauchen in die Gemeinschaft mit Gott zu einem guten, umfassenden, Leib und Seele einbeziehenden Urlaub. Die Fähigkeit, im Urlaub aus unserem Alltag herauszutreten, uns über ihn wieder einmal zu „erheben“, nicht um ihm zu entfliehen, sondern um gleichsam von einer anderen, höheren Warte aus das Panorama unseres Lebens neu und mit neuer Aufmerksamkeit zu überschauen und von hier aus dann auch vielleicht neue, christusgemäßere Akzente zu setzen, wünsche ich uns allen von Herzen. Und auch jene andere, die uns etwa vom Erlebnis eines Naturphänomens her neu lehrt, die Dinge dieser Welt auf Gott zu beziehen. Wer sich solchermaßen vom Wirken Gottes umgeben fühlt, der wird sich immer stärker auch in ihm geborgen fühlen. Welches Aufatmen für die Seele, das sich sicher auch auf den Leib überträgt.

Ein hervorragendes Mittel, Gott näher zu kommen, sind natürlich Exerzitien und Wallfahrten, beide vermutlich noch mehr als eine Urlaubsreise. Doch dürfen wir nicht verkennen, dass Exerzitien eben „geistliche Übungen“ sind, die auch – und manchmal nicht wenig – anstrengen, und dass nach dem sicheren Urteil der Volksweisheit eine Wallfahrt mit Opfer verbunden sein muss, wissen wir alle. Neben Exerzitien und Pilgerfahrt sollte es also für jeden Tage des Ausspannens und der puren Erholung geben. Wieviel diese meines Erachtens auch mit Gott zu tun haben (können), konnte ich hoffentlich darstellen.

Und was ist mit jenen, die gar nicht von zuhause wegkönnen, wegen Krankheit, Alter, Sorge für Angehörige, oder weil die Dürftigkeit der Einkünfte oder der Rente auch nur ein paar Tage der Abwesenheit von zuhause nicht zulassen? Auch ein Nachmittag im Garten oder ein Spaziergang im Park können „Urlaubscharakter“ im oben beschriebenen Sinne haben, wenn es gelingt, ruhig zu werden und in Ruhe in und vor Gott das eigene Leben in den Blick zu nehmen und auf Gottes Gnadenanregungen zu hören. Und bislang wenig beachtete Dinge der sehr täglichen Umwelt können uns neue Wege zu Gott werden – sogar ein Bild, das im Krankenzimmer hängt, oder eine schöne Blume, die ein lieber Mensch uns schenkt. Wir müssen nur versuchen, sie gleichsam in das Licht Gottes hineinzustellen.

Möge unsere liebe Patronin, die heilige Theresia, uns auch Leitgestalt für unser Ausspannen werden! Das wünscht Ihnen in der Liebe des Herzens Jesu und Mariens und mit priesterlichem Segen von Herzen

Ihr

Klaus-Peter Vosen

(Diözesanpräses der Theresianischen Familienbewegung "OmniaChristo"
in der Erzdiözese Köln)

Juli 2017

Noch einmal ein empfehlender, herzlicher Hinweis auf unsere Wallfahrt nach Lisieux, Pontmain und Paris im September. Man kann sich noch anmelden, und ich würde mich freuen, viele von ihnen persönlich dabei begrüßen zu können. Einen weiteren Prospekt lege ich noch einmal bei. Jene, die sich schon angemeldet haben, oder definitiv auf die Teilnahme verzichten (müssen), mögen ihn an Interessierte weitergeben.
 



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aktualisiert am: 14.07.2017

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